Allianz-Aktie im Minus: Schwächere Ergebnisse im zweiten Quartal | 05.08.22

Abschreibungen und andere Gebühren führten dazu, dass der Versicherer Allianz im zweiten Quartal trotz eines verbesserten Tagesgeschäfts einen Gewinnrückgang verzeichnete.

Der Überschuss sei mit 1,7 Milliarden Euro fast ein Viertel geringer als ein Jahr zuvor, teilte der DAX-Konzern am Freitag in München mit. Das operative Ergebnis stieg dagegen um fünf Prozent auf 3,5 Milliarden Euro. Vorstandschef Oliver Butt sieht die Allianz daher auf Kurs, in diesem Jahr wie geplant einen operativen Gewinn zwischen 12,4 und 14,4 Milliarden Euro zu erzielen. An der Börse kam die Nachricht nicht gut an.

Die Allianz Aktie verlor zeitweise 1,54 Prozent auf 176,70 Euro und gehörte damit zu den größten Verlierern im DAX. Branchenexperten stuften die Quartalszahlen des Vormittags als durchwachsen ein. Kamran Hussain, Analyst bei JPMorgan, schreibt, dass das Sachversicherungsgeschäft die überraschend schwachen Ergebnisse von Lebensversicherungen, Krankenversicherungen und Investmentfonds mehr als ausgeglichen habe. Die kombinierte Schaden-Kosten-Relation im Sach- und Schadengeschäft war jedoch schlechter als erwartet.

Angesichts der Volatilität an den Kapitalmärkten und eines „grundsätzlich schwächeren wirtschaftlichen Umfelds“ hat sich die Allianz in den vergangenen Monaten nach Ansicht von Allianz Vorstandsvorsitzender Bäte als widerstandsfähig erwiesen. Der Konzern erwirtschaftete im ersten Halbjahr ein operatives Ergebnis von 6,7 Milliarden Euro – eine Steigerung von 1 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Solvabilitätsquote verbesserte sich zwischen Ende März und Ende Juni von 199 % auf 200 %.

Doch die Zahlen zeigen Licht und Schatten: Während die Allianz im Tagesgeschäft mehr Gewinn machte als von Analysten erwartet, sank der Überschuss stärker als erwartet. Der Teilverkauf des Russland-Geschäfts soll sich erst im dritten Quartal auf das Konzernergebnis auswirken: Dann sei mit einer Belastung von rund 400 Millionen Euro zu rechnen, hieß es am Freitag in einer Vorstandspräsentation.

Die Allianz gab Anfang Juni bekannt, dass sie eine Mehrheitsbeteiligung an ihrem russischen Geschäft an Interholding, Eigentümer der russischen Sach- und Schadensversicherungsgesellschaft Zetta Insurance, verkaufen wird. Folglich wird die Allianz immer noch 49,9 Prozent an dem kombinierten Unternehmen halten.

Inzwischen scheint der Skandal um die Hedgefonds von Allianz Global Investors (AGI) weitgehend beendet zu sein. Das Unternehmen bekannte sich im Mai des Wertpapierbetrugs in den USA schuldig, nachdem Großinvestoren wie Pensionskassen zu Beginn der Coronavirus-Pandemie mit einigen AGI-Hedgefonds Verluste in Milliardenhöhe erlitten hatten. Als Ergebnis verzeichnete die Allianz Ende 2021 und Anfang 2022 eine Gesamtgebühr von rund 5,6 Milliarden Euro für Entschädigungen und Bußgelder.

Auf Wunsch der US-Behörden darf AGI den Großteil des US-Geschäfts nicht mehr selbst weiterführen. Künftig wird der neue Geschäftspartner Voya Investment Management die betroffenen Vermögenswerte verwalten. Investorenklagen und Untersuchungen des US-Justizministeriums und der Securities and Exchange Commission werfen seit letztem Sommer einen Schatten auf die Entwicklung der Allianz. Konzernchef Pat hatte den Aktionären mehrfach versichert, die Dividende für 2022 trotz der Milliardenbelastung nicht zu kürzen.

Im zweiten Quartal steigerte die Allianz ihren Umsatz um knapp acht Prozent auf 37,1 Milliarden Euro. Während das operative Ergebnis der Lebens- und Krankenversicherung um rund 13 Prozent zurückging, erwirtschaftete der Konzern im Sach- und Schadengeschäft einen um 21 Prozent höheren Gewinn als im Vorjahr, auch dank des Rückgangs der Großschäden.

Allerdings ging der Betriebsgewinn im Fondsgeschäft der Tochtergesellschaften Pimco und Allianz Global Investors um rund sieben Prozent zurück. Vor dem Hintergrund von Marktturbulenzen und steigenden Zinsen zogen Anleger insgesamt 33,8 Milliarden Euro aus den Fonds der beiden Unternehmen ab.

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München (dpa-AFX)

Bildquelle: Manfred Steinbach / Shutterstock.com, JPstock / Shutterstock.com, Luciavonu / Shutterstock.com

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