Die Einzelhandelskonjunktur dürfte sich 2022 abschwächen

Die Lebensmittelpreise sind in letzter Zeit stark gestiegen (Avatar) © APA/dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Steigende Lebensmittelpreise und ein zunehmend eingetrübtes Konsumklima dürften die Einzelhandelskonjunktur in den kommenden Monaten bremsen. Nach einem starken preisbereinigten Umsatzplus von 2,8 Prozent im Jahr 2021 soll der Geschäftsbereich laut einem Branchenbericht der Bank of Austria in diesem Jahr ein reales Wachstum von knapp über 1 Prozent verzeichnen. Vor allem die Teilbranchen ohne den Lebensmittelhandel dürften im Vergleich zum Vorjahr an Tempo verlieren.

„Anfang 2022 kündigten berauschende Arbeitsmarktdaten, die ersten höheren Tarifabschlüsse und ein erwarteter starker Anstieg des verfügbaren Einkommens einen starken Anstieg der Konsumausgaben an“, heißt es in dem Bericht. Der Einzelhandelsgewinn lag im ersten Quartal 2022 bei 1,6 %. Betroffen war der Lebensmittelsektor, der unter anderem durch die Öffnung des Gastronomiebetriebs nach den Corona-Shutdowns geringere Umsätze verzeichnete. Ohne den Lebensmittelhandel stiegen die Einzelhandelsumsätze bis März 2022 um 8,3 %.

Der Ukrainekrieg und die hohe Inflation haben das Konsumklima bereits danach belastet – und werden dies auch weiterhin tun, prognostizieren Experten der Bank of Austria. “Kurzfristig ist die Einzelhandelsinflation auf Rekordniveau und prägt das Einzelhandelsjahr 2022.” Dem Bericht zufolge wurden einzelhandelsbezogene Waren bis Mai um durchschnittlich 5,6 Prozent teurer.

Betrachtet man die Ergebnisse der Branchen, dürfte sich das Bild im Laufe des Jahres ändern: Der Lebensmittelhandel wird Prognosen zufolge durch die Erholung der touristischen Nachfrage an Dynamik gewinnen, während die Nachfrage in anderen Regionen aufgrund einer höheren Inflation schwächer wird.

Analysten erwarten in naher Zukunft keinen signifikanten Rückgang der Verbraucherpreissteigerungen. Grund sind ständig steigende Energiekosten, aber auch die Versorgung mit Vorprodukten ist nicht vollständig gewährleistet. Das bedeutet, dass eine starke Verbrauchernachfrage oft auf ein knappes Angebot trifft und somit die Preise steigen lässt. Vor allem teure landwirtschaftliche Primärprodukte wie Düngemittel und Kraftstoffe können die Lebensmittelpreise in die Höhe treiben.

Die Verbraucherpreise für Lebensmittel werden voraussichtlich weiterhin den Erzeugerpreisen folgen, die im April 2022 um 11,9 % gestiegen sind. Der Anstieg der Erzeugerpreise dürfte weiter an Dynamik gewinnen, da die Verkaufspreisprognosen für österreichische Lebensmittelhersteller im April und Mai Rekordhöhen erreichten.“ , erklärte Bankökonom Gunter Wolff.

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