Flugchaos: Lufthansa verspricht Besserung

Im Tarifstreit mit Verdi zeigte sich Lufthansa-Chef Carsten Spohr zuversichtlich über eine Einigung in der laufenden dritten Verhandlungsrunde am Donnerstag. Ein ganztägiger Warnstreik des Bodenpersonals in der vergangenen Woche führte zur Annullierung von mehr als 1.000 Flügen.

Mehr als 7000 Flüge gestrichen

Insgesamt wurden seit Juni mehr als 7.000 Flüge der Kranich-Großmarke gestrichen, weil laut Spohr nicht genug Leute an Bord seien für eine „unerwartet starke“ Reisenachfrage in allen Bereichen des Luftverkehrs.

Auch in den festgefahrenen Tarifverhandlungen mit den Lufthansa-Piloten muss Bewegung kommen. Spohr präzisierte seinen Wunsch, mit der Vereinigung Cockpit (VC) zu sprechen, die bereits die Weichen für den Streik gestellt hatte. Mitten in der Hauptsaison, wenn der Flugverkehr bereits turbulent ist, wird der Rückzug fatal. Der Lufthansa-Präsident forderte die vielerorts überforderte Belegschaft auf: „Wir müssen nach all den Verhandlungen wieder zu einem besseren Wir-Gefühl im Unternehmen zurückfinden.“

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Um den teilweise chaotischen Betrieb an Flughäfen zu stabilisieren, hat Lufthansa ihre Kapazität von Juli bis September gegenüber dem Vorkrisenniveau für 2019 um fünf Prozentpunkte auf 80 Prozent reduziert. Mit 85 bis 90 Prozent im nächsten Jahr, Planung nach 75 Prozent in diesem Jahr, fügte Spohr hinzu, vorsichtig und niedriger als ursprünglich vorgesehen.

Auch dem aktuellen Personalmangel will das Unternehmen schnell begegnen: In der zweiten Jahreshälfte sollen 5.000 neue Mitarbeiter eingestellt werden – netto, also nach Abzug der üblichen Fluktuationen. Im nächsten Jahr sollen 5.000 neue Mitarbeiter eingestellt werden. In der Corona-Krise sind weltweit mehr als 30.000 Stellen gestrichen worden, auf aktuell gut 106.000. Spohr räumte ein, dass Abfindungsprogramme zu mehr als nötigen Abgängen beigetragen hätten. “Im Nachhinein werden wir das nicht mehr so ​​machen.”

Fliegen wird teurer.

Verdi fordert für 20.000 Bodenarbeiter 9,5 Prozent mehr, die Piloten wollen in diesem Jahr mindestens 5,5 Prozent – ​​was höhere Kosten bedeutet. Hinzu kommen die hohen Spritkosten. Das schlägt sich laut Spohr in den Ticketpreisen nieder: „Reisen und Flug werden teurer.“ Langfristig sieht der Lufthansa-Chef günstige Voraussetzungen für höhere Flugpreise, denn die Infrastrukturprobleme der Branche dürften weltweit noch viel länger anhalten. Er betonte, dass „Zeiten der Überkapazitäten wie vor der Pandemie vorerst vorbei sind“. Es gibt Anlegern die Möglichkeit, bis 2024 die lang versprochene Rendite von acht Prozent zu erzielen.

Nach mehr als zwei Jahren Corona-Krise mit erstmals starkem operativen Gewinn im Quartal ist Lufthansa wieder auf den Beinen. Bereinigt um Sondereffekte verdiente der MDAX-Konzern von April bis Juni 393 Millionen Euro, nachdem er im Vorjahr 827 Millionen Euro verloren hatte. Erstmals seit Ausbruch der Pandemie im Jahr 2020 machte das Unternehmen auch wieder einen Nettogewinn: Unter dem Strich machte Lufthansa bei einem Umsatz von 8,5 Milliarden Euro 259 Millionen Euro, gut die Hälfte dessen, was sie in derselben verdiente Zeitraum letztes Jahr.

Erste Gewinnprognose nach Corona

Hauptgewinnbringer war wie schon vor knapp zwei Jahren das Geschäft der Frachttochter Lufthansa Cargo, während alle Passagierairlines außer der Schweizer Tochter noch Verluste machten. Wann sich das ändert, wollte Finanzvorstand Rimko Steenbergen nicht sagen. Da die Luftfracht dank der massiven Beeinträchtigung der Seefracht weiterhin floriert, ist Lufthansa zuversichtlich, erstmals seit der Corona-Krise eine Gewinnprognose für das Jahr zu erreichen. Mehr als 500 Millionen Euro erwartet. Und das, obwohl das Flugchaos für das ganze Jahr Kosten zwischen 450 und 500 Millionen Euro verursacht haben soll. Streiks, deren Umsatz täglich 20 bis 35 Millionen Euro kosten kann, sind laut Management nicht enthalten.

Das saisonbedingt stärkere dritte Quartal dürfte deutlich mehr Geld einbringen als das zweite Quartal, auch dank der Zunahme der Geschäftsreisen. An der Börse trieben die Zahlen den Anteil um mehr als fünf Prozent in die Höhe.

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