Konferenz zur Lebensmittelsicherheit: „Russland nimmt die ganze Welt als Geisel“

Stand: 24.06.2022 12:26 Uhr

Auf Einladung der Bundesregierung soll eine Konferenz Wege aus der sich verschärfenden Ernährungskrise finden. Außenminister Barbock sprach von einer „lebensbedrohlichen Welle“ und erhob schwere Vorwürfe gegen Russland.

Bundesaußenministerin Annalina Barbock warf Russland vor, „den Welthunger bewusst als Kriegswaffe einzusetzen“. Russland “nimmt die ganze Welt als Geisel”, sagte Barbock zu Beginn der Internationalen Ernährungskonferenz in Berlin.

Der grüne Politiker sagte, 345 Millionen Menschen weltweit seien derzeit von Nahrungsmittelknappheit bedroht, und die Hungerkrise vertiefe sich “wie eine lebensbedrohliche Welle”. Einige der Gründe sind nicht neu: regionale Konflikte, Dürre, die Folgen der Klimakrise und Covid-19. Aber es war Russlands Krieg, der „aus dieser Welle einen Tsunami machte“.

Barbock kritisierte, Russland versuche, „andere für die Explosion der Lebensmittelpreise verantwortlich zu machen“, es handele sich aber um „Fake News“. Dafür ist allein die Regierung in Moskau verantwortlich. Russland blockiert Häfen und Getreidespeicher; Es gibt auch keine Sanktionen gegen russische Getreideexporte.

Exporte aus der Ukraine sollten beschleunigt werden

Barbock sagte, bei der Konferenz in Berlin gehe es darum, Solidarität mit der Ukraine und mit den unter dem Russlandkrieg leidenden Völkern des globalen Südens zu zeigen. “Wir müssen Lösungen anbieten.” Eines der Ziele ist es, Lebensmittelexporte aus der Ukraine zu „beschleunigen“.

Sie hofft, dass bereits im Juli täglich wieder Getreide aus der Ukraine exportiert wird. Angesichts des Angriffskriegs Russlands gehe es darum, dauerhafte Alternativrouten für den Export aus dem verbotenen Hafen Odessa zu finden, sagte Barbuk. Eine Möglichkeit ist der Landweg durch Rumänien und die Binnenschifffahrt über die Donau. Über diesen Weg wird bereits Getreide transportiert. Auch DB Cargo ist an der Umsetzung beteiligt.

Die Bundesregierung unterstützt die Bemühungen der Türkei, einen Weg zur Freigabe der blockierten Häfen zu finden. Barbock wies die russische Forderung zurück, dass die Ukraine zuerst die Häfen räumen solle.

“Irgendwie den Tsunami kontrollieren”

Im Gespräch sei auch eine dringende Aufstockung der Nothilfe für Hungerkranke, sagte der Außenminister. Burbock forderte die internationale Gemeinschaft auf, die wachsende Hungerkrise in der Welt entschlossen zu bekämpfen. „In diesem Jahr werden über 44 Milliarden Euro benötigt, von denen nur die Hälfte finanziert wird“, fügte sie hinzu. Die Situation ist sehr tragisch.

Aber die Konferenz ist keine Geberkonferenz, und es geht nicht nur um Geld. Und „Thinking beyond today“ steht auf der Agenda: Arme Länder müssen sich besser gegen Krisen wappnen. Es geht darum, diesen Tsunami irgendwie in den Griff zu bekommen.

„Die schlimmste Hungersnot seit Ende des Zweiten Weltkriegs“

Die Konferenz wird auf Einladung von Barbuk, Entwicklungsministerin Svenja Schulz und Landwirtschaftsminister Cem Özdemir einberufen. Schulz erklärte, dass etwa 400 Millionen Menschen weltweit mit Lebensmitteln aus der Ukraine versorgt werden. In vielen Ländern scheiterten diese Lieferungen, und weitere Länder litten unter den hohen Weltmarktpreisen infolge des Krieges in der Ukraine. „Wie immer sind es die Ärmsten, die am meisten leiden.“

„Wenn wir jetzt nicht gegensteuern, droht die schlimmste Hungersnot seit dem Zweiten Weltkrieg“, sagte Schulz. Neben finanziellen Hilfen sei es notwendig, die Agrarsysteme etwa der ostafrikanischen Länder zu verändern, „damit die Menschen wieder selbst anbauen können“, betonte Schulze.

Özdemir: „Zeigen, was wir gemacht haben“

Die Konferenz sei von der Bundesregierung weltweit einberufen worden, und das Interesse habe alle Erwartungen übertroffen, sagte Burbock. Vor Ort in Berlin sind 40 Minister und Vertreter der Vereinten Nationen, der Zivilgesellschaft und aus besonders betroffenen Ländern, etwa Vertreter aus der Ukraine, Nigeria, Tunesien und Indonesien. Das Treffen dient auch der Vorbereitung des G7-Gipfels, der am Sonntag im bayerischen Elmau beginnt. Konkrete finanzielle Zusagen werden auf der Berliner Konferenz nicht erwartet.

Vom bevorstehenden Gipfel forderte Özdemir ein “starkes Signal” gegen den Welthunger. Der Kampf um Ernährungssicherung müsse im Einklang mit Klima- und Artenschutz angegangen werden.

Der grüne Politiker sprach von einem “mehrdimensionalen Krieg” des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Sie wollen die Ukraine militärisch besiegen, einen Hungerkrieg gegen den globalen Süden und einen Energiekrieg gegen die Europäische Union führen. „Deshalb lautet die Botschaft heute: Wir lassen uns von Putin keine Angst machen. Jetzt geht es darum, zu zeigen, was wir geschafft haben.“

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