Metastasierende Krebszellen bilden sich hauptsächlich nachts

An der ETH Zürich wurde bei Brustkrebs ein Tag-Nacht-Muster beobachtet. Die Ergebnisse liefern wertvolle Informationen für die Diagnose.

Forschende unter der Leitung der ETH Zürich haben eine verblüffende und unerwartete Beobachtung in Krebszellen gemacht: Brustkrebstumoren scheinen nachts ihre Aktivität zu erhöhen und mehr zirkulierende Krebszellen abzusondern. Das berichtet ein Team um die Biotechnologin Nicola Acetto, Professorin für Molekulare Onkologie an der ETH Zürich, am Mittwoch im Fachblatt «Nature».

Die Forschenden konnten zusammen mit Kollegen der Universität und des Universitätsspitals Basel das nächtliche Muster von Brustkrebs bei 30 Krebspatientinnen und in Mausmodellen feststellen. Aseto fasste die Studienergebnisse in einer ETH-Sendung zusammen: «Wenn der Betroffene schläft, wacht der Tumor auf.»

Die Studie konzentrierte sich auf die sogenannten zirkulierenden Krebszellen. Dies sind die Zellen, die vom ursprünglichen Tumor abgetrennt wurden und im Blut zirkulieren. Einige bilden Verzweigungen in anderen Organen, wie Metastasen. Diese sind für bis zu 90 Prozent aller Krebstodesfälle verantwortlich.

Wie die Forscher anmerken, sondern Tumore nicht nur mehr metastasierende Krebszellen im Ruhestadium ab. Stattdessen neigen nachts freigesetzte Krebszellen dazu, sich schließlich als Metastasen zu etablieren. Die Studie besagt, dass die Dynamik von metastasierenden Krebszellen von wichtigen Hormonen im Schlaf-Wach-Zyklus wie Melatonin bestimmt wird.

Verbesserte Behandlungen?

Die Ergebnisse liefern den Forschern zufolge wertvolle Hinweise für die Diagnose. Dementsprechend kann es beispielsweise sinnvoll sein, Biopsien zu streng kontrollierten Zeitpunkten durchzuführen, um die Vergleichbarkeit der Daten zu gewährleisten. Krebsbehandlungen können auch verbessert werden, wenn sie darauf abgestimmt sind, im Schlaf maximal zu wirken.

In einem die Studie begleitenden Artikel schreiben Harrison Paul und Sunita Nagrath von der University of Michigan, dass die Arbeit von Aseto und seinem Team „ein bemerkenswertes Bild“ zeichnet. Sie weisen jedoch darauf hin, dass die Ergebnisse in großen klinischen Studien getestet werden müssen, bevor sie in der klinischen Praxis verwendet werden können. Außerdem wäre es interessant zu sehen, ob der beobachtete 24-Stunden-Rhythmus auch bei anderen Tumorarten als Brustkrebs auftritt.

(APA/sda)

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