Piccolo für das Punkrock-Hug-Genre: Campino mit 60 in Bestform

Nicht schlecht für eine Gruppe von Früh-80er-Punks aus dem Pogo-Tanzclub „Ratinger Hof“: Mit dem Jubiläumsalbum „Alles aus Liebe: 40 Jahre Die Toten Hosen“ stürmte die Besetzung an die Spitze der Charts und setzte sich durch ein Rekord – jetzt sind sie die Band mit den meisten Standard-Nummern in Deutschland (12), vor den Beatles. Frontmann Campino, der am Mittwoch seinen 60. Geburtstag feiert, hat einmal mehr allen Grund zur Dankbarkeit.

Sänger und Texter Hussain drückt diese Dinge im Moment häufig aus, und seine Gefühle für sein bestehendes Bandteam und seine treuen Fans werden von ihm gezogen. Denn Campino – Zivilist Andreas Frege, geboren 1962 als Sohn des Richters Joachim Frege und der Hausfrau Jenny Frege – hat eine sehr überzeugende menschliche Natur. In einem Interview mit der deutschen Nachrichtenagentur dpa sagt er, der Erfolg über viele Jahrzehnte und die Nähe zu den Menschen seien ein “großes Geschenk”.

Dass die Toten Hosen trotz einiger Besetzungswechsel so stabil und beliebt sind, hat viel mit Campino zu tun. Denn „er ​​ist nicht nur der Sänger, er ist auch das Gesicht der Band“, heißt es auf der Hosen-Website. Mit Charme und Willensstärke hält er den Laden zusammen, ergänzt fast alle Medienauftritte, äußert sich mit Offenheit und Reflexion zu Politik und Gesellschaft – zu Klimaschutz, Rechtsextremismus oder neuerdings militärischer Bereitschaft nach dem Russen Angriff auf die Ukraine.

Die Lust auf musikalische Ego-Trips, was für Anführer von Rockbands fast normal ist, habe er allerdings nie verspürt, wie ihm der Deutsch-Brite versichert. „Ich denke, man veröffentlicht normalerweise ein Soloalbum, wenn es bestimmte musikalische Ideen gibt, die man mit einer Band nicht verwirklichen kann. Aber Totten Heusen hatte dieses Problem noch nie.“

Campinos Seitensprünge klangen anders: „Ein halbes Jahr unterwegs zu sein wie ‚Mackie Messer‘ aus ‚Die Oper der Thrapini‘ im Theater, um mit Wim Wenders einen Film zu drehen.“ Oder ein Buch über Fußball zu schreiben, den Bestseller Street of Hope: How I Became an English Champion (2020), inklusive Lesetour. Solche Erlebnisse hätten “positive Impulse” in die Hose gebracht.

Campino sagt mit einem breiten Grinsen, dass die Tatsache, dass er jetzt 60 ist (um es milde auszudrücken), nicht immer der gesunde Lebensstil des Bösewichts ist, “zuerst cool – als ich 20 war, schien es unvorstellbar.” Dann, wieder ernsthaft, füge hinzu: “Oft kann man sagen, dass man alt wird und sich von vielen Dingen verabschieden muss. Gleichzeitig hat man aber auch Raum, andere Dinge wieder zu entdecken.”

Kann er also heute, während die große Jubiläumstournee der Toten Hosen stattfindet, noch von einem akrobatischen Sprung auf dem Mikrofonständer träumen, den man vielleicht bei jüngeren Shows bewundern würde? “Dieses Gleichgewicht mag jetzt ziemlich dumm erscheinen”, gibt Campino zu. “Meine Aufgabe ist es jetzt, den Abend so lebendig zu gestalten, dass alle nach Hause gehen und solche Geschäfte aus der Vergangenheit nicht verpassen.”

Andererseits: “Wenn es mir immer noch peinlich ist, einen Ausgleich zu finden, und dann alles ganz schief geht, sollten wir uns wenigstens totlachen können.” Campino tut dies im Interview ausführlich.

Inzwischen ließ sich der Düsseldorfer vor allem wegen seines volljährig gewordenen Sohnes immer mal wieder in der Hauptstadt nieder: „Ich liebe Berlin sehr, die Stadt hat auf der ganzen Welt einen guten Ruf“, sagt Campino. „Aber ich bin kein Berliner und will auch nicht verzweifelt versuchen, einer zu werden.“

Da ist mal wieder das Ehrliche und Originelle an diesem Künstler, der früher recht häufig im Fernsehpublikum war (und mittlerweile manche Auftritte kritisch sieht). Über Campino als Privatperson ist jedoch nur sehr wenig bekannt. Beispiel: Dass er 2019 zum ersten Mal geheiratet hat, verriet er verspätet und nur beiläufig – aber bis heute nicht den Namen der Ehefrau.

Wie hat sich der Sänger der erfolgreichsten deutschen Rockband der letzten 40 Jahre so das Leben gerettet? “Ich finde es sehr wichtig, dass du Raum hast zu klären: hier oben und nicht weiter. Stattdessen versuche ich, auf eine andere Art freundlich zu sein. Jeder kann mich alles fragen – aber die Antwort, die ich gebe, ist mein Ding. Wenn.” es ist zu intim oder voyeuristisch für mich, das würde ich immer ignorieren.“

Zumal er aus jahrelangem Klatsch weiß: „Mit meiner ständigen Präsenz bin ich den Leuten nach einer Weile auf die Nerven gegangen.“ Campino sieht heute „viele Dinge, die ich bereue, zum Beispiel, dass ich einige Leute wegen eines guten Witzes verletzt habe. Im Laufe der Jahre sind Dinge passiert, die nicht richtig waren.“ Aber: “Gott sei Dank, mein peinlichster Ausrutscher waren die Momente, nach denen ich mir gesagt habe: Ab heute wirst du in dieser Hinsicht anders sein. Es hätte also alles viel schlimmer kommen können.”

Zu seinem Geburtstag am Mittwoch plant Campino keine großen Feierlichkeiten: “Mir wird nicht viel passieren, ich gehe an diesem Tag nicht aus”, sagt er. “Weihnachten ist neben der Tournee zweitrangig. Wir trinken Piccolo, aber das war’s.” Schließlich führt die Tour die Gruppe am 2. Juli auch nach Wien in die Krieau, um einen Abstecher nach Österreich zu machen.

Der gut gelaunte Bursche aus der Düsseldorfer Punkrock-Kneipe ist längst Vollzeit-Profi, will aber die Spuren von 60 Jahren innen und außen nicht verwischen. Campinos Schlusswort im dpa-Interview: „Ich hatte bisher ein tolles Leben und hoffe, dass da noch eine Kleinigkeit auf mich wartet.“ Millionen Fans und Bewunderer hoffen mit ihm.

(Service – www.dietotenhosen.de/)

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