Selenskyj: ein leidenschaftlicher Appell an Österreich

Silinsky verwies in seiner Rede zunächst auf die Einstellung der Getreidelieferung. Russland sperrte das Schwarze Meer und hielt Millionen von Menschen in Afrika und Asien als Geiseln. Aber: „Ihr in Europa seid auch Geiseln“, denn wenn nichts gegen die drohende Hungersnot unternommen wird, wird es eine Auswanderungsbewegung geben, die auch Österreich erreichen wird.

Aber Hunger ist nicht die einzige Bedrohung, die von Russland ausgeht. Auch Europa und der Rest der Welt müssen sich gegen Cyberangriffe und Propaganda wehren und sich von der Abhängigkeit von russischen Energiequellen befreien: „Ukrainisch wegweisend ist, dass wir Ihnen die Möglichkeit geben, das zu tun, was schon vor so langer Zeit hätte getan werden sollen .”

ORF.at/ Tamara Sell

Erstmals seit Kriegsbeginn wandte sich Selinsky in einer Live-Sendung an Österreich

Danke Österreich

Auf Nachfrage verteidigte der ukrainische Staatschef die Forderungen seines Landes nach westlichen Waffenlieferungen: „Russland will keinen Dialog und versteht nur die Sprache der Waffen. Wir setzen diese Waffen nur in den Gebieten ein, die Russland besetzen will.“ Außerdem: „Ich habe Putin (Vladimir, Präsident von Russland, Anm.) vorgeschlagen, das Ganze am Verhandlungstisch wie zivilisierte Völker zu lösen, aber anstatt mit uns zu sprechen, schicken Sie die Raketen. bis heute.”

Notiz

Gemälde vom 4Gamechangers Festival finden Sie unter tvthek überprüft werden.

Russland muss für die Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden. „Ich möchte Sie bitten, Ihr Engagement für das siebte EU-Sanktionspaket zu verdoppeln“, sagte Selenskyj und dankte gleichzeitig Österreich für seine Unterstützung. „Ich möchte auch denen danken, die verstehen, wer für diesen Krieg verantwortlich ist“, sagte Selenskyj.

Er wandte sich auch an Bundespräsident Alexander van der Bellen, der bei der Marx-Halle-Konferenz in Wien anwesend war, und an Bundeskanzler Karl Nehamer (ÖVP). Doch trotz aller Widrigkeiten hat der Krieg in der Ukraine die Einheit der Europäischen Union gestärkt: „Dieser Krieg hat uns geeint.“ Nach dem Sieg des Guten über das Böse ist es wichtig, dass Europa geeint bleibt. Dann: Auch die Ukraine soll ein gleichberechtigtes Land in der europäischen Familie sein, so Selenskyj.

Bundeskanzler Karl Nehamer bei 4Gamechangers

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„Der Präsident, der leidenschaftlich für sein Land kämpft“, ist Selenskyj für Nehammer

Unterstützung von Van der Bellen und Nehammer

Unterstützung erhielt Selenskyj sowohl von der Bundeskanzlerin als auch vom Bundespräsidenten. “Wir in Österreich verstehen, dass hier nicht nur die Freiheit der Ukraine verteidigt wird. Es ist auch unsere Freiheit”, sagte van der Bellen. Dem Land nicht zu helfen, wäre “nicht helfen”. Wenn nicht militärisch, dann medizinisch, sagt van der Bellen. Zudem sei Diplomatie für ein neutrales Land wie Österreich nach wie vor wichtig. Generell sei das, was Putin hier mache, „kein gewöhnlicher Krieg“, sondern eine Reminiszenz an die Kolonialkriege des 19. Jahrhunderts.

Wolodymyr Zelensky und Bundespräsident Alexander van der Bellen

Für Neyhamer zeige Selinskys Auftritt, „dass er ein Präsident ist, der leidenschaftlich für sein Land kämpft“. Das ist nicht zuletzt deshalb wichtig, weil hier Menschenleben auf dem Spiel stehen. Nehamer lobte die Solidarität der österreichischen Bevölkerung mit den ukrainischen Flüchtlingen. Aber Sie müssen mit Strafen vorsichtig sein – sie sollten nicht in die falsche Richtung laufen. Optimistisch zeigte sich schließlich auch Nahamer. Der Umgang mit vergangenen Krisen hat gezeigt, dass sie auch überwunden werden können. „Wir halten zusammen und kommen stärker heraus, als wir reingegangen sind“, sagte Nahamer.

Clooney: Du musst einen Weg finden, um zu überleben

Zuvor betrat Hollywood-Star Clooney am frühen Abend unter Jubel und tosendem Applaus die Bühne bei einem „unerwarteten Gespräch“ über Menschenrechte, was angesichts der steigenden Temperaturen im Inneren nur allzu passend war. Der 61-Jährige sagte, die Zeiten seien „schwierig“ in Bezug auf Russlands Invasion in der Ukraine gewesen.

Es ist wichtig, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. „Aber wenn das Haus brennt, muss das Feuer zuerst gelöscht werden“ – erst dann kann die Justiz eingreifen. Zudem plädierte Clooney dafür, Unternehmen und Banken zu bestrafen, die mit „bösen Jungs“ Geschäfte machen.

An diesem Punkt setzt auch die Clooney Foundation an, die er 2016 mit seiner Frau und Anwältin Amal gegründet hat.

George Clooney Beam Festival

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Hollywood-Star Clooney sprach über die „Zukunft der Menschenrechte“.

Auch gegenüber den USA hat Clooney nicht mit Kritik gespart – die vier Jahre unter Donald Trump waren desaströs. Nach dem Sturm auf das Kapitol am 6. Januar letzten Jahres gefragt, sagte Clooney, die US-Präsidentschaftswahl sei “nicht absurderweise gestohlen” worden. Eine Wiederwahl Trumps kann jedoch nicht ausgeschlossen werden. Das ist gefährlich”.

Abschließend sagte er: Um große gesellschaftliche Probleme, nicht zuletzt die Klimakrise, zu lösen, bedarf es der Zusammenarbeit – auf globaler Ebene. “Und wir stehen alle in Kontakt. Wir müssen einen Weg finden, um zu überleben”, sagte Clooney, der den großen Unternehmen die Schuld gab, gefolgt von einer minutenlangen Werbung für Nespresso.

4amechangers Festsaalübersicht

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Clooney füllte den Raum

Dinge in Wien

Den musikalischen Abschluss des Abends bildete ein Auftritt der ehemaligen Songcontest-Gewinnerin Conchita Wurst, Amore Rock and Roll komponiert von Wanda und Rhythmen des deutschen Reggae- und Soul-Musikers Jan Delay.

Erstmals wurde das Festival in Kooperation mit Österreichs größter privater Radiogruppe ProSiebenSat.1Puls4 und dem ORF veranstaltet. Auch das Themenspektrum an den drei Tagen war breit gefächert – vom Ukrainekrieg über Digitalisierung, Innovation, Bildung und Gesundheit bis hin zu Klima und Energie.

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Der dritte Tag des 4Gamechangers Festivals fand am Donnerstag in der Marx Halle statt – am Eingang begrüßte die FM4-Ente die Besucher

Am dritten Festivaltag wurden die großen Fragen der heutigen Gesellschaft verhandelt: Wie sieht die Zukunft der Arbeit aus? Welche Rolle spielt der Kapitalismus bei der Bekämpfung der Klimakrise? Wie können Menschenrechte in Zeiten wie diesen garantiert werden? Was bedeutet Kooperation? In Europa wie im Weltall? Das Interesse an den Antworten war groß und die Schlangen waren morgens schon bis auf den letzten Platz gefüllt.

Gehen Sie mit dem Friedensnobelpreisträger

Den Anfang machte am Donnerstag die Friedensnobelpreisträgerin Jodi Williams. Inmitten des Angriffskriegs Russlands konzentrierte sie sich auf das Schicksal der Ukrainerin und sprach über ihren Besuch in der Ukraine vor wenigen Tagen. Sie lobte den Mut der Ukrainerin, die trotz der widrigen Umstände nicht aufgeben werde. Die Nobelpreisträgerin sprach auch über ukrainische Flüchtlingsfrauen in Polen. Dort sagten sie zu ihr: Bitte vergiss uns nicht.

Als nächstes wurde ein wenig Wert auf die Datenverarbeitung gelegt. Brittany Kaiser, Mitbegründerin von OwnYourData und Whistleblower von Cambridge Analytica, sagte in ihrer Keynote, dass Daten heute das wertvollste Gut der Welt sind. Sie war überzeugt, dass Daten in einer idealen Welt viele der größten Probleme unserer Zeit wie Krieg und Hunger lösen könnten.

Dazu muss man allerdings sicher mit den Daten umgehen können. Der Whistleblower stellte fest, dass das Datenrecht derzeit eines der am wenigsten entwickelten Rechtsgebiete ist.

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Precht sieht eine Gesellschaft, die nicht nach Lohn und Leistung, sondern nach Sinn sucht

Arbeitsmarkt: „größte Verschiebung seit 250 Jahren“

Der deutsche Philosoph und Autor Richard David Brecht erklärte zur Mittagszeit „das Ende der Arbeit, wie wir sie kannten“. Laut Brecht ist dies ein Wandel von einer bürgerlichen Lohn- und Leistungsgesellschaft zu einer Sinngesellschaft – der größte Wandel seit 250 Jahren.

Anders als in Krisen und anderen gesellschaftlichen Veränderungen sei „Optimismus an der Tagesordnung“. Denn: „Was wir erleben, ist eine technologische Revolution, der Beginn des zweiten Maschinenzeitalters, in dem nicht mehr die menschliche Hand, sondern das menschliche Gehirn ersetzt wird.“

Auch Menschen mit geringem Einkommen fragen sich mittlerweile, was ein gutes und richtiges Leben ist und welche Art von Arbeit dem Leben Sinn gibt. Auf dem Arbeitsmarkt müssen Unternehmen nun für gute Arbeitsbedingungen sorgen.

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Der Ukrainekrieg ist auch bei 4Gamechangers allgegenwärtig – hier mit einem Spendenaufruf

Klimaaktivistin kritisiert falsche Versprechungen

Nach der Mittagspause standen die Schwerpunktthemen Klima, Energie und Nachhaltigkeit auf der Tagesordnung. Im Gespräch mit CEOs von Mobilitäts- und Energieunternehmen forderte die Aktivistin und Autorin Katharina Rojnhofer von Climate Referendum ein „echtes Engagement für Nachhaltigkeit“ – gerade in Zeiten der Energieknappheit.

Doch in der Politik mache sie derzeit “viele Versprechungen mit Ausnahmen”. Ein Beispiel ist die EU-Entscheidung zum Aus für Verbrennungsmotoren, die noch E-Fuels liefern. Eines ist klar: Bei der Energiewende muss man vor allem beim Ausbau erneuerbarer Energien wie Sonne und Wind an Tempo zulegen. Das Potenzial in Österreich sei noch nicht ausgeschöpft, war die Stoßrichtung der Referenten.

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Gewessler sieht Handlungsbedarf beim Klimaschutz

Gewessler will den Takt

Auch Umweltministerin Leonor Goesler (Grüne) forderte mehr Tempo. Das Ziel sei, Klimaschutz jetzt anzusetzen: “Wir haben keine Zeit mehr. Es geht um jetzt, und jetzt sind die kritischen Jahre.” Zur Lösung der Klimakrise müsse jeder “seinen eigenen Beitrag leisten” – auch der Ökonomie, so Goessler.

Wie Annika Daffert, Aktivistin von Fridays for Future, die Notwendigkeit für Unternehmen sieht – sie können Lobbyarbeit bei der Politik leisten und „sagen, wir wollen in eine gute Zukunft investieren“. Es muss nicht mehr um Gewinnmaximierung gehen.

Der Aktivist und Filmemacher Werner Bott bezog sich in einer Klimaschutzdiskussion auf Noam Chomsky und forderte einen kompletten Systemwechsel. Nicht ohne den Hauptsponsor der Veranstaltung zu recherchieren, fragte er, ob der Kaffee wirklich so vorverpackt sein sollte. Wenn Sie mit “gesundem Menschenverstand” darüber nachdenken, macht es keinen Sinn.

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