Wirtschaft – ein hartes Jahr für den Handel

Steigende Lebensmittelpreise und ein zunehmend eingetrübtes Konsumklima dürften die Einzelhandelskonjunktur in den kommenden Monaten bremsen. Nach einem starken preisbereinigten Umsatzplus von 2,8 Prozent im Jahr 2021 soll der Geschäftsbereich laut einem Branchenbericht der Bank of Austria in diesem Jahr ein reales Wachstum von knapp über 1 Prozent verzeichnen. Vor allem die Teilbranchen ohne den Lebensmittelhandel dürften im Vergleich zum Vorjahr an Tempo verlieren.

„Anfang 2022 kündigten berauschende Arbeitsmarktdaten, die ersten höheren Tarifabschlüsse und ein erwarteter starker Anstieg des verfügbaren Einkommens einen starken Anstieg der Konsumausgaben an“, heißt es in dem Bericht. Der Einzelhandelsgewinn lag im ersten Quartal 2022 bei 1,6 Prozent. Belastet wurde er vom Lebensmittelbereich, der unter anderem durch die Öffnung des Gastronomiebetriebs nach dem Corona-Shutdown geringere Umsätze hatte. Ohne den Lebensmittelhandel stiegen die Einzelhandelsumsätze bis März 2022 um 8,3 %.

Der Ukraine-Krieg und die hohe Inflation haben das Konsumklima bereits danach belastet – und werden dies auch weiterhin tun, prognostizieren Experten der Bank of Austria. „Kurzfristig hat die Inflation im Einzelhandel Rekordhöhen erreicht und das Einzelhandelsjahr 2022 geprägt.“ Dem Bericht zufolge wurden einzelhandelsbezogene Waren im Monat Mai um durchschnittlich 5,6 Prozent teurer.

Betrachtet man die Ergebnisse der Branchen, dürfte sich das Bild im Laufe des Jahres ändern: Der Lebensmittelhandel wird Prognosen zufolge durch die Erholung der touristischen Nachfrage an Dynamik gewinnen, während die Nachfrage in anderen Regionen aufgrund einer höheren Inflation schwächer wird.

Analysten erwarten in naher Zukunft keinen signifikanten Rückgang der Verbraucherpreissteigerungen. Grund sind ständig steigende Energiekosten, aber auch die Versorgung mit Vorprodukten ist nicht vollständig gewährleistet. Das bedeutet, dass eine starke Verbrauchernachfrage oft auf ein knappes Angebot trifft und somit die Preise steigen lässt. Vor allem teure landwirtschaftliche Primärprodukte wie Düngemittel und Kraftstoffe können die Lebensmittelpreise in die Höhe treiben.

„Es wird erwartet, dass die Verbraucherpreise für Lebensmittel weiterhin den Erzeugerpreisen folgen, die im April 2022 um 11,9 Prozent gestiegen sind. Die Erzeugerpreiserhöhungen dürften weiter an Dynamik gewinnen, da die Verkaufspreisprognosen der österreichischen Lebensmittelhersteller im April und Mai Rekordhöhen erreichten“, erklärte er der Ökonom der Bank of Austria, Gunter Wolf. (Abba)

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